Video-Projekt Skater

Sich zwischen den Polen Sport und Lifestyle einordnend hat sich seit Mitte der achtziger Jahre in den westeuropäischen Großstädten die Jugendkultur der Skater etabliert. Wie alle anderen Jugendkulturformen kennzeichnet sich auch diese Szene durch - nur für den Insider verständliche - spezielle sprachliche Codes (z.B. Dutzende von Fachausdrücken für unterschiedliche Skateboardtricks) und symbolische Handlungen sowie eine gemeinsame Vorliebe für eine bestimmte Art von Musik und Kleidung, in der Summe zu einem Zusammengehörigkeitsgefühl führend, welches nicht ortsgebunden ist. Skating ist auffällig und geschwindigkeitsorientiert. Skating bedeutet Action und Individualität. Es bietet hiermit auch eine besondere Möglichkeit zur Selbstdarstellung. Es besitzt somit mehrere Eigenschaften , die für die Phase der Pubertät bzw. Adoleszenz bedeutsam sind.

Betrachtet man u.a. die Kosten, welche die Jugendlichen für das Skateboarding aufbringen müssen, wird deutlich, warum diese jugendliche Teilkultur eine mittelschichtsspezifische Jugendkulturform ist. Je nach Schwierigkeitsgrad der Sprünge brechen die ´Decks` (das nackte Brett) alle "zwei bis vier Wochen". Ein neues ´Deck` kostet ca. 150 DM. Auch die Achsen, Rollen, Kugellager und speziellen Skateschuhe unterliegen einem erheblichen Verschleiß.

Die Koblenzer Skaterszene bestand 1994 aus ca. 25 Jugendlichen. Zentraler Treffpunkt der Skater war bereits damals der Münzplatz in der Koblenzer Altstadt. Darüber hinaus wurden ca. zehn weitere Plätze in Koblenz, die aufgrund ihrer Bebauung (Beton; aufgeteilt in Ebenen, Stufen, niedrige Mauern) besonders für das Skaten geeignet waren, als ´Spots` genutzt. Auf dem Münzplatz kam es immer wieder zu Konflikten mit den Anwohnern, die sich durch den Geräuschpegel - verursacht durch die nach den Sprüngen auf den Asphalt aufknallenden Decks - belästigt fühlten.
Als besonderes Merkmal dieser Gruppierung ist zu nennen, daß der aktive Teil der Szene - analog zu der Szene der Breakdancer - auschliesslich aus männlichen Jugendlichen bestand und daß es im Vergleich zu anderen Gruppierungen Jugendlicher, auf die wir im Rahmen unserer Arbeit trafen, keine starre Gruppenhierarchie gab. Im Gegensatz zur Szene der Breakdancer, die ihre Mitglieder fast auschließlich aus ausländischen und aus einem anderen Kulturkreis stammenden deutschen Jugendlichen rekrutierte, bestand die Gruppierung der Skater ausschließlich aus deutschen Jugendlichen.

Im Rahmen der Mobilen Jugendarbeit entstand 1994 das erste Skater-Video der Koblenzer Skaterszene. Eine kleinere 'Arbeitsgruppe' der Skater war an allen Produktionsphasen des Video-Films beteiligt. Auch ein Teil des Filmschnittes wurde unter Anleitung eines Fachmannes im Offenen Kanal Koblenz von den Jugendlichen selbst durchgeführt. Eine Darstellung der konkreten pädagogischen Zielsetzungen des Projektes finden sich im Jahresbericht "Mobile Jugendarbeit im Stadtteil Altstadt 8/93 - 7/94".
Das 1996 als eine Art Fortsetzung geplante Video sollte den Fortgang der "Problematik" Skaterszene Münzplatz seit Entstehung des ersten Videofilms beleuchten. Aufgrund den Wünschen der Jugendlichen entwickelte sich dieser Film mehr zu einem reinen Skater - Videoclip , bei dem in Orientierung an bekannte Vorbilder mehr pures skaten und weniger O -Ton und sonstiges "Drumherum" zu sehen ist.
Die beiden Videos bieten einen guten Einblick in diese Jugendkulturform.

Einen Ausschnitt aus dem 1996 enstandenen Video können Sie sich hier herunterladen: Sie benötigen dafür den DivX Codec (Version 4.12 oder höher) und einen entsprechenden Medienplayer. Beides können Sie sich kostenlos bei der DivX-Homepage downloaden.

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